Die Satzbetonungen im Deutschen

  1. Besonderheiten der deutschen Artikulationsbasis
  2. Differenzierende Merkmale der deutschen Vokale und Konsonanten.
  3. Klassifikation der deutschen Vokale
  4. Physiologische Merkmale des deutschen Vokalsystems
  5. Starke Positionen der deutschen Vokalphoneme
  6. Systematisierung der deutschen Konsonanten

Rede ist keine blöße Anneinanderrehung von Einzelwörtern, sie ist ein psychisch-physisches Gestaltungsakt, der die Wörter in einer bestimmten Weise zusammenfügt, d.h. durch bestimmte Abstuffung der Akzentstärke, Tonhöhe, Dauer und Klangfarbe zu einer prosodischen Einheit zusammenschließt. Der Hörer nimmt nicht die Summe von Einzelwörtern wahr, sondern die gesammte Äußerung als eine Ganzheit.

Eine Äußerung wird vom Hörer als eine rhytmisch gegliederte Schallreihe wahrgenommen. Aus dieser Reihe sondert das Ohr eine Anzahl von Silben aus. Über dieser Gliedrung steht noch eine Gliedung höherer Ordnung - der rhytmische Takt. Der rhytmische Takt ist das Minimalmass einer Äußerung. Die deutschen rhytmischen Takte unterscheiden sich von den Takten der anderen Sprachen (z.B. romanischen und slavischen) durch einen großen Kontrast der betonnten und unbetonten Silben. Die rhytmischen Takte können in der Rede höhere prosodische Einheiten bilden: rhytmische Phrase, Äußerung.

Im Zusammenhang damit entsteht die Frage mit der Abstufug der Betonungenin einer Äußerung. Man unterscheidet drei Stufen der Satzbetonung.

Die betonnte Silbe in einer Silbenfolge kann man auf verschiedene Weise auffälig machen: durch Veränderung der Tonhöhe, des Atemdrucks, der Klangfarbe oder durch alles zusammen. Da der Anteil dieser Parameter an der Hervorhebung der Silben nicht gleich ist, unterscheidet sich auch die Qualität der Betonungen von Silbe zu Silbe. Das menschliche Ohr ist aber nicht imstande, diese Unterschiede genau wahrzunehmen und die Satzbetonungen abzustufen. Wesentlich ist aber das Verhältnis der Betonungen verschiedener Stufen.

Oft entsteht eine Frage, wieviel Betonungsstufen man in einer Äußerung unterscheiden kann. Diese Frage wird von deutschen Wissenschaftlern verschieden beantwortet. E. Drach unterscheidet zum Beispiel vier Stufen: eine Grundstufe und drei Oberstufen. Fr. Saran stellte fest, dass man in deutschen Versen nicht weniger als 13 Betonungsstufen unterscheiden kann. Die Satzbetonung soll vor Irrtümern in der Wahrnehmung und Verarbeitung gesprochener Information bewahren. Um das zu erreichen, genügt es schon bei der Segmentierung der Äußerung drei Betonungsstufen zu unterscheiden.

Die zweite Frage, die zum Gebiet einer praktischen Satzbetonungslehre gehört, ist die Frage wovon die Stärke der Satzbetonungen abhängt. Lange Zeit herrschte die Meinung, dass die Betonungsstärke von den Wortklassen abhängig ist. Demzufolge seien alle Substantive stärker zu betonen als die Adjektive, alle Pronomina schwächer als Verben usw. Die experimentalphonetische Untersuchungen haben gezeigt, dass die für die Information wichtigen Wörter werden stärker betont, unabhängig von ihrer Stellung in der Äußerung und von ihrer Wortart oder syntaktischen Funktion. Folgende Beispiele können beweisen, dass jede Wortart stark betonnt werden kann:

Christiane hat einen ´´´Brief geschrieben.

Er war ´´´verzweifelt, als er den Brief las.

´´Ich habe das gemacht, die anderen ´´´wussten nichts davon.

Sie kommen erst um ´´´sechs nach Hause.

Das Buch soll ´´´auf dem Tisch legen, nicht ´´´unter dem Tisch.

 



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