Phonologische Oppositionen.

Wenn man zwei ähnliche Lautkomplexe, die sich nur durch einen Laut voneinander unterscheiden, vergleicht, so stellt man fest, dass dieser Laut in der Sprache distinktive Funktion erfüllt. Solche Gegenüberstellungen werden in Phonologie phonologische Oppositionen genannt. Unter phonologischer Oppositionversteht man eine Gegenüberstellung von zwei Lauteigenschaften, die in einer konkreten Sprache zur Wortunterscheidung dient.

N.S.Trubezkoy teilte alle phonologische Oppositionen nach folgenden Prinzipien ein:

- nach der Beziehung der Oppositionsglieder zum ganzen Oppositionsystem;

- nach dem Verhältnis zwischen den Unterscheidungsmerkmalen;

- nach der Wirkung der Opposition in verschiedenen Stellungen.

Nach dem ersten Merkmal unterscheidet man eindimensionale( bilaterale)

und mehrdimensionale(multilaterale) Oppositionen. Bei den eindimensionalen Oppositionen kommen die distinktiven Merkmale nur diesen zwei Phonemen zu. Diese Vergleichsgrundlage wiederholt sich in keinem anderen Phonem desselben Phonemsystems. Z.B. bilden die deutschen Phoneme [t], [d] eine eindimensionale Opposition, wei sie die einzigen alveolaren nichtnasalen Verschlussphoneme im Deutschen sind, und diese Vergleichsgrundlage kommt sonst bei keinem anderen deutschen Phonem vor. Entsprechend sind die Oppositionen [p] - [b], [f] - [v], [k] - [g], [s] - [z], [d] - [n], [b] - [m]; [i:] - [e:], [u:] - [o:], [u:] - [y:] auch eindimensional. Bei den mehrdimensionalen Oppositionen erstreckt sich die Vergleichsgrundlage auf einige Phoneme. Z.B. die Opposition [p] - [t] - [k] ist mehrdimensional, weil alle drei Phoneme stimmlos und explosiv sind.

Nach dem Verhältnis zwischen den Unterscheidungsmerkmalen werden die Oppositionen in proportionale und isolierte eingeteilt. Bei einer proportionalen Opposition ist das Verhältnis zwischen ihren Gliedern mit dem Verhältnis zwischen den Gliedern einer anderen Opposition identisch, z.B. das Verhältnis stimmlos - stimmhaft: [p] - [b]=[t] - [d]=[k] - [g]=[f] - [v]=[s]- [z]; das Verhältnis oral - nasal: [b] - [m] =[d] - [n]=[g] - [ng]; das Verhältnis labialisiert - nicht labialisiert: [y:] - [i:]=[oe:]- [e:]. Bei den isolierten Oppositionen sind die Unterscheidungsmerkmale nur für die beiden Oppositionsgliedern gültig. Das Verhältnis zwischen zwei Phonemen wiederholt sich bei keinem anderen Phonempaar, z.B.: [t] - [x]; [k] - [ ]; [a] - [y]; [i] - [o].

Nach der Beziehung zwischen den Oppositionsgliedern zueinander unterscheidet man private, graduelle und equipolente Oppositionen. Bei der privaten Oppositionen unterscheidet sich das eine Phonem durch das Vorhandensein, das andere durch Nichtvorhandensein eines distinktiven Merkmals. Private Oppositionen sind;

- stimmlos - stimmhaft: [p] - [b], [s] - [z];

- gerundet - nicht gerundet: [e] - [oe], [i] - [y];

- nasaliert - nicht nasaliert: [b] - [m], [d] - [n] usw.

Die Phoneme einer graduellen Opposition sind durch verschiedene Grade der Eigenschaft gekennzeichnet: [i:] - [e:] - [ä] - Grad der Zungenhebung.

Bei den äquipolenten Oppositionen sind beide Phoneme gleichberechtigt: [f] - [k], [p] - [t], [a] - [i], [u] - [a].

Nach der Wirkung der Opposition in verschiedenen Stellungen sind konstante(ständige) und aufhebbare (neutralisierende) Oppositionen zu unterscheiden. Konstante Oppositionnen sind unter allen Bedingungen gültig. In aufhebbaren Oppositionen kann der phonologische Gegensatz in gewissen Stellungen aufgehoben werden . Z.B.: Rad - Rat.

 



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