Sprach- und Redesystem. Sprachliche Zeichen.

Der Begriff Sprache ist in der Sprachwissenschaft vieldeutig definiert. Einerseits, versteht man unter der Sprache ein ausgeprägtes System von freigeschaffenen, konventionell überlieferten Zeichen, Symbolem und Kombinationsregeln. Andererseits, bezeichnet man mit diesem Terminus individuelle Tätigkeit, konkreter Sprechvorgang. In diesem Sinn spricht man auch von Rede, Sprechen. In der Sprachwissenschaft sind seit langem Versuche bekannt, die abstrakten sprachlichen Gesetzmäßigkeiten von der materiellen Rede zu schneiden. Zu einer diametralen Gegenüberstellung von Sprache und Rede kommt in 20. Jh. F. de Saussure. Er bezeichnete das Sprachsystem als Language und die Rede als Parole.

Heutzutage gliedert man die Sprache in verschiedene Teilsysteme (Subsysteme) oder Ebenen. Am häufigsten unterscheidet man folgende Ebenen: 1) phonetische, 2) morphologische, 3) semantische, 4) syntaktische.

Dementsprechend kann man in der Sprache vier wichtige Einheiten: das Phonem, das Morphem, das Lexem, das Syntaxem(der Satztyp) unterscheidet. Alle sprachlichen Einheiten sind zweiseitig; sie haben materielle und ideale (funktionale) Seiten. Die sprachliche Funktion der Einheiten kann ohne materielle Hülle nicht existieren. Die materielle Substanz des Satztypes besteht, zum Beispiel, aus den lautlichen Symbolen des lexikalicsch-grammatischen Stoffes und den physischen Eigenschaften der Satzintonation (Tonhöhe, Tonstärke). Es ist zu merken, dass im Sprachsystem jede Spracheinheit als Unikum existiert; im Redesystem kann jede Spracheinheit in verschiedenen Varianten auftreten. Z.B. der Satztyp SPO kann in der Rede in mehreren Formen erscheinen: Ich schreibe einen Brief; Die Mutter kocht die Suppe. Die Rede ist aber nicht systemlos. Der Spechende muss, wenn er verstanden sein will, die Regeln der Variantenbildung behalten.

Bedeutungstragende Einheiten eines Sprachsystems bezeichnet man als sprachliche Zeichen. Dazu gehören in der ersten Linie Wörterund Morpheme. Phoneme sind keine sprachliche Zeichen, weil sie keine Bedeutung ausdrücken. Was den Satztyp betrifft, so zählen die meinsten Wissenschaftler ihn auch zu den sprachlichen Zeichen. S.M.Gaiducik gebraucht diesen Terminus in einem breiten Sinne. Sprachliche Zeichen, - schreibt der Autor, - können akustische Zeichen (Laute) und optische Zeichen (Buchstaben) sein. Das hängt von der Form der Sprache ab [ , s. 6]. Jedes Sprachsystem hat sein eigenes Inventar von sprachlichen Zeichen. Dieses Inventar ist größer als ein Mensch verwenden kann. Darum verwendet jeder Sprechende nur ein Teil des Inventars, und das reicht für die menschliche Kommunikation aus.

Es besteht eine dialektische Einheit zwischen dem Sprach- und Redesystem. Sie sind eng miteinander verbunden und wirken zusammen. Sie bedingen einander, denn das Sprechende bedarf der Mittel der Sprache, und die Sprache existiert nur im Sprechen. Das Sprechen setzt die Kenntnis der sprachlichen Zeichen voraus. Sprechen ist ein Tun, eine Form der Sprachtätigkeit, eine Sprachrealisation, eine Kombination von ausgewählten sprachlichen Einheiten zum Zwecke der Übertragung eines bestimmten Inhalts.

In der Gegenüberstellung Sprache - Sprechen haben wir es mit einer wissenschaftlichen Teilung zu tun. Wenn wir mit dem Terminus Sprache nicht nur ein System von Symbolen, Zeichen und Kombinationsregeln verstehen, sondern auch ein System historisch gewachsener Normen, dann sehen wir im Sprechen die Verwirklichung dieser Normen. Demzufolge ist Sprechen ohne Sprache undenkbar, da Sprechen eine an die sprachliche Norm gebundene Handlung ist.

  1. Phonetik und Phonologie.


| Wichtige Etappen in der Entwicklung der Phonetik.

| Phonetik und Phonologie als Wissenschaften. | Segmentale und suprasegmentale Ebenen des phonetischen Teilsystems. | Forschungsmethoden der Phonetik. | Zweige der Phonetik. | Bildung der Sprechlaute. | Akustik der Sprechlaute. | Lingustische Funktion der Sprechlaute | Definition des Phonems, Allophons, der Grapheme. | Differenzierende Merkmale der deutschen Vokale und Konsonanten. |

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